Die größte syndikalistische Gewerkschaft Deutschlands ist die Freie Arbeiter Union (FAU), die ich hier einmal kurz vorstellen möchte. Zuerst einmal sei gesagt das das Hauptaugenmerk der FAU natürlich auf Arbeitskämpfen liegt, was bei einer Gewerkschaft wenig verwunderlich ist. Darüber hinaus vertritt die FAU aber die Idee einer syndikalistischen, also libertären Gesellschaft. Diese Grundausrichtung spiegelt sich in der Struktur der FAU wieder, was sie als Gewerkschaft nur noch interessanter macht:

basisdemokratisch
In der FAU trifft ausschließlich die Basis selbst die Entscheidungen. Jedes Mitglied kann sich aktiv einbringen und die Gewerkschaftsarbeit mitbestimmen. Forderungen werden von denen entwickelt, die sie betreffen. Delegierte erhalten ausschließlich imperative Mandate, sind also bei der Ausführung von Beschlüssen an den Willen der Basis gebunden und können jederzeit abgewählt werden.

solidarisch
Es wird sich an den Bedingungen vor Ort und den Bedürfnissen der Mitglieder orientiert, was bedeutet das alle Strukturen für alle Mitglieder transparent, basisdemokratisch und selbstbestimmt sind. Es gibt keine Führungsgremien oder hauptamtlichen, bezahlte Funktionäre. AmtsträgerInnen dürfen nicht eigenmächtig handeln oder den Willen der Basis übergehen.

kämpferisch
Im Gegensatz zu vielen der DGB-Gewerkschaften ist die Freie ArbeiterInnen Union eine kämpferische Gewerkschaft. Durch die Vermeidung eines Funktionärsapparat und durch basisdemokratische Strukturen ist die FAU flexibel und kann sich auf konkrete Situationen schnell einstellen. Die Unterstützung der Mitglieder ist daher schnell und sehr direkt. Dabei setzt die FAU auf die Mobilisierbarkeit aller Mitglieder und auf direktes und solidarisches Handeln. Durch die Förderung eigeninitiativen Handelns sammeln die Mitglieder vielfältige Erfahrungen und eignen sich Kenntnisse an, die ihnen helfen können, ihre speziellen und spezifischen Forderungen und Vorstellungen zu verwirklichen.

unabhängig
Die FAU ist unabhängig von Parteien, Kirchen und dem Staat. Wer von der Arbeit anderer Menschen lebt, kann nicht Mitglied der FAU sein. Mitglieder, die hauptamtliche Ämter in Parteien oder Kirchen bekleiden, können zwar Mitglieder sein, aber keine Funktionen als Delegierte übernehmen. Die Freie ArbeiterInnen Union ist eine offensive Gewerkschaft, die sich nicht ausschließlich mit Lohnforderungen beschäftigen, sondern darüber hinaus für eine gesamtgesellschaftliche Perspektive kämpfen.

umfassend und föderalistisch
Die so genannten „Syndikate“ der FAU organisieren sich nach Betrieben, Branchen und Orten. Alle diese Gewerkschaftsgruppen sind föderalistisch miteinander verbunden und arbeiten im Geiste der Solidarität zusammen. Auch international wird der Austausch mit anderen Basisgewerkschaften auf der ganzen Welt gepflegt. Die gegenseitige solidarische Unterstützung ist sehr effektiv – bundesweit und international!

zukunftsorientiert
Die FAU kämpft für konkrete Verbesserungen der allgemeinen Lebens- und Arbeitsbedingungen, bleiben dabei aber nicht stehen. Durch die Zusammenführung und Ausweitung von Arbeits- und Klassenkämpfen soll dazu beigetragen werden, auch gesamtgesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen. Das Ziel dabei ist eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die auf kollektiver, basisdemokratischer Selbstverwaltung basiert.

Sich bei der FAU zu organisieren, bedeutet sich im eigenen Alltag für konkrete Verbesserungen einzusetzen. Es ist die Selbstorganisation von Arbeiter/innen, Angestellten, Auszubildenden, Jobber/innen und Praktikant/innen, aber auch von Erwerbslosen. Kurzum die FAU ist eine Gewerkschaft für alle, die meinen Ihre eigenen Interessen besser selbst gestalten und umsetzen zu können als bezahlte Stellvertreter. Und eine Gewerkschaft für alle, denen die Fixierung der DGB-Gewerkschaften auf „Sozialpartnerschaften“ zu weit geht und die eine Organisation suchen in der sie selbst entscheiden können welche Kämpfe und Aktionen sie unterstützen möchten.

Es ist Zeit sich zu Organisieren – FAU, mehr als nur eine Gewerkschaft!

 

Quellen: