Gewerkschaft heißt, das Leben in die eigenen Hände zu nehmen!

Die kapitalistische Gesellschaft, in der wir leben, ist eine Ordnung der sozialen Ungleichheit. Sie begünstigt die, die Geld und „Vermögen“ haben und benachteiligt und bedroht die Existenz derer, die nichts oder nur wenig haben und sich durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft und allem was hier dazu gehört über Wasser halten müssen.

In der Mehrheit der Gesellschaft ist der Gewerkschaftsbegriff mit dem des DGB gleichgesetzt. Das macht es SyndikalistInnen oft recht schwer zu erklären, was wir unter dem Begriff „Gewerkschaft“ oder genauer „Syndikat“ verstehen, warum wir durch sie die Möglichkeit sehen – neben konkreten Verbesserungen – ein Leben in Freiheit und Gleichberechtigung zu erkämpfen.

Der DGB, seine bezahlten Funktionäre und der SPDGB – Filz haben durch ihre jahrzehntelange Verzichts-und Verratspolitik die in ihm organisierten Menschen enttäuscht, frustriert, ihrer Kreativität und Zuversicht auf gesellschaftlichen Wandel beraubt und unzählige Male Basisinitiativen von KollegInnen abgewürgt. Das Resultat sind anhaltende Austritte aus den DGB – Gewerkschaften. Der DGB hat sich einen schwerfälligen, bürokratischen Apparat geschaffen, der den durch die „Sozialpartnerschaft“ erkauften Frieden zwischen den Lohnabhängigen, den ArbeiterInnen und Erwerbslosen und den Unternehmern, der Regierung und dem Staat garantieren soll. Doch welches Interesse sollen wir an einem Frieden haben, der die Ungerechtigkeit nicht aufhebt sondern nur verwalten und bestenfalls abmildern will?

Durch seine Vormachtstellung in den meisten Betrieben verhindert und bekämpft der DGB die direkte Initiative der Belegschaften. Er hat durch seine in den Betrieben arbeitenden Funktionäre in der Vergangenheit immer wieder unabhängige oder die offizielle DGB – Linie kritisierende Betriebsgruppen bekämpft. Auch in der jüngsten Vergangenheit kam es wiederholt dazu, das Funktionäre der DGB-Gewerkschaften streikenden und kämpfenden KollegInnen in den Rücken fielen und dazu noch Solidarität heuchelten.

Doch hat dieses Verhalten auch für den DGB und seine ihm angeschlossenen Gewerkschaften Konsequenzen. Wie eingangs bereits erwähnt, sinkt die Mitgliederzahl seit Jahren. Seit 1991 kehrte ein Viertel der Mitgliedschaft dem DGB den Rücken zu. Im August 1999 waren nur noch 9,5 Millionen Menschen Mitglied einer DGB-Gewerkschaft. Die Gründe für den Austritt werden von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Das viele aber aufgrund der nachgiebigen und laschen Haltung des DGB ausgetreten sind, ist anzunehmen. Lohnverzicht, Nullrunden, Rationalisierung, die sog. Flexibilisierung der Arbeitszeiten, das Einknicken bei der Streichung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall unter der CDU/FDP-Regierung sind Beispiele dafür, ebenso wie die praktizierte Entpolitisierung dessen, was mensch noch als ArbeiterInnenbewegung im und um den DGB erkennen kann.

Wo waren die Streiks oder der Generalstreik gegen die ständige Verschärfung der Ausplünderung und Ausbeutung der ArbeiterInnen? Gegen die steigende Armut? Und wird der Unmut der Belegschaften dann doch groß und sehen die DGB-Funktionäre ihre Macht und ihren Einfluß schwinden – wie exemplarisch bei VW und Alcatel – sind sie mit markigen und starken Sprüchen anzutreffen, um den Unmut in Passivität, Aufgabe und „Einsicht“ zu kanalisieren und ihre Machtbasis zu erhalten.

Im Klartext bedeutet dies, daß die Mitglieder in DGB-Gewerkschaften keine Entscheidungen selber treffen können und dürfen, die den Vorständen der einzelnen Gewerkschaften ungelegen kommen, oder welche die sich selbst auferlegte „Friedenspflicht“ brechen. Mitglieder in DGB-Gewerkschaften sind dadurch entmündigt und stehen in der Praxis in der Frontlinie gegen die Unternehmer und gleichzeitig unter der Repression „ihrer“ Gewerkschaft, zu deren Beschlüßen des Vorstandes sie sich opportun Verhalten müßen, da ihnen sonst die Solidarität entzogen wird.

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